Jahresbericht 2017

Marco Fischetto

Marco Fischetto ist gelernter Fahrrad- und Motorfahrradmechaniker. Er bildete sich zum agogischen Begleiter von Stellensuchenden weiter und arbeitet seit mehreren Jahren im agogischen Bereich, zuerst bei einem Erwerbslosenprojekt in Zug und später als Arbeitstherapeut bei der forensischen Psychiatrie in Königsfelden. Heute ist er Leiter der Velowerkstatt in den Beschäftigungsprogrammen der Caritas Luzern.

 

«Lernen heisst, nachher etwas besser zu machen. Jeder Mensch hat Ressourcen, die er nutzen kann.»

 

«An den verschiedenen Arbeitsorten konnte ich immer wieder den Rucksack füllen. Diese Erfahrungen kommen mir zu Gute, ich habe mehr Verständnis für die Situation der Teilnehmenden. Es ist wichtig, zu jemandem eine Beziehung aufbauen zu können. Auch die Thematik Nähe-Distanz spielt eine grosse Rolle. Durch Beobachtungen komme ich dazu, wie ich vorgehen muss bei der Förderung der Teilnehmenden. Das ist ganz individuell.

Unser Auftrag ist, die Teilnehmenden zu unterstützen, damit sie eine Stelle finden und sich wieder in der Arbeitswelt integrieren können. In der Arbeitsagogik gilt es immer wieder, ein gutes Mass zu finden zwischen individueller Förderung und Mitziehen im Produktionsauftrag. Ich muss beobachten, meine Schlüsse ziehen und dann entlang der Möglichkeiten fördern. Ich muss schauen, dass die Messlatte nicht zu hoch ist, und muss Teilziele setzen, die erreicht werden können, damit die Teilnehmenden Erfolgserlebnisse haben.

Als Arbeitsagoge ist es wichtig, dass man gerne mit Menschen zusammenarbeitet, sich mit der Arbeit identifiziert und Freude hat am Handwerk. Man kann viel lernen vom Gegenüber – der kulturelle Hintergrund ist da auch wichtig. Es gilt, Vorbild zu sein, aber auf Augenhöhe. Was ich von den Leuten erwarte, mache ich auch selbst. Als Agoge löse ich immer wieder die verschiedensten Situationen. Dabei hilft mir die jahrelange Erfahrung.

Nach meiner Ausbildung zum Arbeitsagogen hatte ich einen älteren Teilnehmer. Alles, was ich erklären wollte, konnte er nicht annehmen. Ich musste also herausfinden, welche Methode für ihn passen würde. Da wählte ich als arbeitsagogische Methode die Fertigungsaufgabe.  Er bekam den Auftrag, ein identisches Fahrrad nach einem Musterfahrrad aus gebrauchten Teilen zu fertigen. Daran arbeitete er länger, als er sich vorgestellt hatte. Schliesslich kam er und fragte mich um Unterstützung. Das gab dann eine ganz andere Beziehung in der Zusammenarbeit.»

 

«Lernen ist wie Rudern gegen den Strom. Hört man damit auf, treibt man zurück.»
Laozi

Dieses Zitat scheint mir sehr gut zu passen auf die Situation in unseren Programmen. Es zeigt auf, dass Lernen einen weiterbringt. Man hat es selbst in der Hand, aber dass es dann halt Auswirkungen hat.

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