Jahresbericht 2017

Antoinette Frey und Isabelle Piquerez

Antoinette Frey und Isabelle Piquerez sind beide in der Einsatzleitung für die Sterbebegleitgruppe Region Rigi tätig. Sie nehmen Anfragen entgegen, suchen die Begleiterinnen, koordinieren die Einsätze und übernehmen auch immer wieder die erste Nacht im ambulanten Bereich um abzuschätzen, was es braucht. Isabelle ist diplomierte Krankenschwester und hat viele Jahre in der Spitex gearbeitet. Der Kontakt zu Menschen ist ihr wichtig und eben auch die Begleitung von Sterbenden. Auch Antoinette ist diplomierete Pflegefachfrau, begann ihre Tätigkeit auf der Geburtenstation, arbeitete  in der Kinder- und Jugendpsychiatrie und die letzten Berufsjahre bis zur Pensionierung in der Langzeitpflege, «immer gerne in Grenzsituationen», wie sie sagt.

 

«Lernen bedeutet für mich Leben. Ich mach das ja dauernd, das gehört zum Leben.»

Antoinette

«Sterbebegleitung ist ein existenzielles Thema und nie gleich.» finden beide. Und Isabelle weist darauf hin, wie hochspannend auch der Austausch mit den Begleiterinnen sei.

 

«Lernen bedeutet  für mich in Bewegung bleiben.»

Isabelle

Jetzt wo sie nicht mehr arbeitet, interessiert Isabelle vieles, und das gefällt ihr. «Ich hatte immer Angst, stehen zu bleiben. Ich finde es schön, wenn man mit den Leuten in Kontakt bleibt durch das Lernen, gerade, wenn man pensioniert ist. Man lernt immer wieder und bleibt dran. Das ist sehr schön und gibt Befriedigung.»

Die beiden Einsatzleiterinnen sind auch selbst immer wieder im Einsatz in der Sterbebegleitung. Isabelle sagt dazu: «Was ich immer wieder erlebe, wie die Menschen am Schluss im Frieden sind. Für mich ist das auch wie ein Lernen; ich muss selber schauen, dass ich im Frieden bin, dann kann ich auch gut gehen. Das ist für mich immer sehr eindrücklich.»

Und Antoinette ergänzt: «Mich beeindruckt, wie Menschen in ihrer letzten Lebenszeit immer wesentlicher werden. Vieles was früher wichtig war, ist es nicht mehr. Materielles verliert an Bedeutung und die Aufmerksamkeit richtet sich immer mehr nach innen. Dies veranlasst auch mich zu einer bewussteren Gewichtung hin zum Wesentlichen in meinem Leben. 

Oft drücken sich Sterbende symbolisch aus zu Themen wie Abschied, ungelösten Problemen oder Angst vor dem Unbekannten. Leider wird dies manchmal von den Betreuenden als Verwirrungszustand interpretiert. Da lerne ich nach wie vor, gut hinzuhören und die Symbolsprache besser verstehen. Viele sprechen in der letzten Sterbephase nicht mehr. Aber da ist die Atmosphäre oft so dicht und man ahnt, da geschieht ganz viel in diesem Übergang vom Leben in den Tod. Menschen in diesem manchmal auch schwierigen Übergang begleiten zu dürfen, empfinde ich als persönliche Bereicherung.»

Die Sterbebegleiterinnen führen oft auch Gespräche mit den Angehörigen. Sie finden es immer wieder beeindruckend, was diese leisten in der Begleitung und dabei oft bis an ihre Grenzen gehen. Hier sei das Gespräch wichtig – und auch, ihnen Anerkennung zu geben. «Manchmal denkt man, man ist fast wichtiger für die Angehörigen, man spricht oft lange mit ihnen.»  Dies ist ein wichtiger Teil in der Begleitung und es entsteht dadurch auch ein Vertrauensverhältnis. «In der allerletzten Lebensphase dabei sein zu dürfen, empfinde ich als grosses Privileg. Die gemeinsamen Momente mit den Sterbenden und ihren Angehörigen lehren mich viel und machen mich dankbar.»

 

«Lernen ist Erfahrung»

Albert Einstein

Isabelle spricht dieses Zitat an: «Ich merke, ich lerne gern. Aber ich muss Erfahrung haben und das gibt mir Sicherheit, das brauche ich.» Und schon kommt der Gedanke an ihr Alter: «Ende 60 zu sein ist natürlich ein anderer Abschnitt, da gibt es andere Problemkreise. Ich glaub das muss man gelassen angehen, sich dem stellen und gleichwohl neugierig bleiben – nehmen was kommt und geniessen.»

 

«Es ist keine Schande, nichts zu wissen, wohl aber, nichts lernen zu wollen.»

Plato

Antoinette findet dieses Zitat treffend: «Ich weiss so vieles nicht. Das auch zuzugestehen und die Neugierde zu haben zu lernen ist mir wichtig.»

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