Jahresbericht 2017

Anja Portmann

Anja Portmann ist Pflegefachfrau. Vor einem Jahr hatte sie einen Einsatz in einem Flüchtlingscamp in Griechenland geleistet. Als sie nach ihrer Rückkehr ihre Zweitausbildung für soziale Arbeit startete, suchte sie nach einer Möglichkeit, Personen aus einem anderen Kontext zu begleiten. So stiess sie auf das Projekt «Copilot» der Caritas Luzern, für das sie jetzt als Freiwillige tätig ist. Sie begleitet eine äthiopische Mutter und ihre drei Kinder und besucht sie alle ein bis zwei Wochen.

 

«Lernen ist die Möglichkeit, etwas neue kennen zu lernen. Eine neue Sichtweise, andere Lebensweisen – neue Möglichkeiten um etwa besser zu verstehen.»

 

«Die Mutter brauchte lange, bis sie sich auf mich einlassen konnte. Die Kinder (7, 5 und 2) waren da spontaner. Nun öffnet sich die Mutter vermehrt und getraut sich auch, Dinge direkt anzusprechen. Ich habe schon das Gefühl, meine Besuch geben einen Fixpunkt, dass jemand von aussen kommt.

Ich bin sehr beeindruckt wie sie das alle meistern, die Mutter in einer fremden Kultur, alleine mit den drei Kindern. Da habe ich gelernt, dass man wohl sehr viele Kräfte mobilisieren kann für das was einem wichtig ist, die Familie. Auch, dass es andere Wege gibt, wie man etwas wahrnehmen und angehen kann.

Ein Beispiel: Etwas auszuhalten, bis es dann wirklich klappt. Zum Beispiel ein Besuch in der Schule. Da war immer wieder etwas anderes wichtiger, und es ging lange, bis es dazu kam. Ich fand das wichtig, merkte aber, dass das wohl eher mein Bedürfnis ist. Es lohnte sich dann aber, wir gingen zum Mittagstisch, und da konnten wir Kontakte knüpfen. Da merkte auch die Mutter, dass das schon etwas bringt.»

 

«Ausbildung heisst, das zu lernen, von dem du nicht einmal wusstest, dass du es nicht wusstest.»
Ralph Waldo Emerson

«Dieses Zitat spricht mich an. In letzter Zeit stellte ich fest, dass ich zwar viel Neues erfahre, aber eigentlich doch noch wenig weiss. Manchmal entdeckt man plötzlich etwas und dann macht ein Bild, das man hat, keinen Sinn mehr. Plötzlich kommt etwas und stellt alles in Frage. Wichtig ist, hinzuschauen zu können und sich auf andere einlassen. Das ist auch wichtig gerade in Bezug auf Migration.

Ich hoffe es gibt immer wieder Neues, wo ich etwas lernen kann. Reisen spielt da schon eine Rolle, ich plane, auch noch einmal ein Praktikum im Ausland bei einer NGO zu machen. Wenn man aus dem System gerissen wird und sich wieder anpassen muss, das tut auch schon gut.»

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