Jahresbericht 2015

«Im Fokus stehen Menschen die unsere Hilfe brauchen.»

Tamara Riehemann arbeitet seit 2010 bei der Caritas Luzern und leitet seit Anfang 2016 die Abteilung Fundraising.

 

Das letzte Jahr war von vielen Umbrüchen geprägt. Wie hat sich das 2015 in Ihrem Bereich ausgewirkt und was bedeutete es für Sie?
Ich war überrascht, als wir von der Übernahme des Asylvertrages durch den Kanton erfuhren. Es war klar, dass dies gravierende Auswirkungen auf die Caritas Luzern haben wird. Prägend im letzten Jahr war im Bereich Fundraising dann vor allem der Stellenabbau, der aufgrund der Umbrüche vorgenommen werden musste: Heute arbeiten wir noch mit 145% Stellenprozenten, im Jahr zuvor waren es fast doppelt so viele. Dieser Abbau wirkt sich natürlich aus und führte zu viel Unsicherheit: Wie kann die mehr oder weniger gleiche Arbeit mit weniger Leuten weitergeführt werden? Schaffen wir das überhaupt, was kommt noch? Dazu kam, dass es mich auch emotional belastet hat. Dass Arbeitskollegen und -kolleginnen um ihre Jobs bangten, hat mich sehr beschäftigt. Gleichzeitig wurden 2015 wegen der steigenden Zahl von Asylsuchenden die Strukturen ausgebaut. Wir standen also an verschiedenen Fronten extrem unter Druck, das war alles andere als einfach.

 

Was hat Sie in dieser Zeit gestärkt, welches waren die Herausforderungen?
Die aktuelle Flüchtlings- und Asylsituation beschäftigt die Menschen sehr. Das hat man gemerkt, es wirkte sich bei uns konkret auf die Spenden aus: Diese lagen 2015 mit über 2 Millionen auf einem sehr hohen Niveau. Ein Aufsteller waren auch die vielen kleinen Spenden, die bei uns eingegangen sind: Schulklassen und Vereine haben auf eigenen Faust mit Aktionen Geld gesammelt und für unsere Integrationsprojekte gespendet. Diese Engagements zeigen, dass die Leute gerade auch im Migrationsbereich helfen wollen und auf die Thematik sensibilisiert sind. Diese Solidarität zu spüren ist schön.

 

«Fokussierung als Chance»: Was bedeutet für Sie diese Aussage und wo sehen Sie bei Ihrer Arbeit in und mit der Caritas Fokussierungsmöglichkeiten?
Eine Fokussierung ist im Bereich Fundraising und für unsere Spenderinnen und Spender grundsätzlich sehr zentral: Die Leute wollen wissen, wo und für was ihre Gelder eingesetzt werden. Je präziser das seitens der Caritas Luzern dargelegt werden kann, umso besser. Wen unterstützen wir mit unseren Projekten und Angeboten, was erreichen wir damit und wie transportieren wir den Inhalt möglichst genau? Durch diese Fokussierung können wir sehr gezielt auf mögliche Geldgeber zugehen, die sich für eine Zusammenarbeit oder Unterstützung interessieren. Zwar fällt künftig der gesamte Asyl- und Flüchtlingsbereich weg, doch umso mehr gilt für die Caritas Luzern: Im Fokus stehen Menschen mit und ohne Migrationshintergrund, die unsere Hilfe brauchen. Darauf fokussieren wir uns auch beim Fundraising.

 

Wie schauen Sie in die Zukunft bezüglich Ihrer Arbeit und der Caritas allgemein?
Das Gesicht an unserem Standort wird sich durch den Wegfall des Asyl- und Flüchtlingsbereichs auch sichtbar verändern: An der Brünigstrasse gehen täglich Hunderte von Menschen mit unterschiedlichster Herkunft und Sprache ein und aus – das wird künftig wegfallen. Von der Ausrichtung her wird sich die Caritas mittelfristig neue Strukturen geben und entsprechend Projekte aufgleisen. Das öffnet im Bereich Fundraising neue Felder und wird bestimmt eine Herausforderung sein.

 

Was wünschen Sie der Caritas und sich als Mitarbeitende?
Im 2015 war die Institution stark mit sich selber beschäftigt, das hat sich nicht nur in meinem Bereich spürbar ausgewirkt. Wie erwähnt, war es ein unruhiges Jahr mit vielen Unsicherheiten. Bei der Caritas Luzern stehen die Menschen im Zentrum. Es ist wichtig, dass dies auch intern so ist und die Mitarbeitenden als tragender Bestandteil der Organisation wertgeschätzt werden. Ich hoffe, dass es jetzt zu einer Beruhigung kommt und wir einen guten Umgang mit der neuen Ausgangslage finden werden.

 

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