Jahresbericht 2015

«Fokus heisst das Ziel im Auge zu behalten.»

Rahel Fellmann ist seit April 2015 im Bereich Soziale Integration in der Bereichsadministration tätig und hier vor allem für die Kursadministration zuständig.

 

«Fokussierung als Chance»: Was bedeutet für Sie diese Aussage und wo sehen Sie bei Ihrer Arbeit in und mit der Caritas Fokussierungsmöglichkeiten?

Fokus heisst: Nach vorne blicken, sich auf etwas konzentrieren und ein Ziel zu setzen. Die Sicherheit, dass man weiss, dass man dieses Ziel erreicht, egal wie. Es ist wichtig nicht zurückzuschauen, sondern das Ziel im Auge zu behalten. Fokus braucht ein Ziel. Ohne Ziel kann kein Fokus gesetzt werden.

Für Caritas Luzern wie auch die Mitarbeitenden bieten sich nun neue Möglichkeiten. Es können neue Ideen entstehen. Obwohl sie insgesamt erstmals kleiner wird, könnte sich der Bereich Soziale Integration (SI) vergrössern. Hier sehe ich vor allem Chancen in der Begleitung in der letzten Lebensphase (BilL). Unser Ziel könnte der Ausbau von SI sein mit mehr Mitarbeitenden, neue Abteilungen und Projekten. Ich bin überzeugt, dass die Mitarbeitenden ganz viele Ideen liefern können. In BilL fände ich z.B. die Idee einer starken Zusammenarbeit mit der Freiwilligenarbeit toll. Aktuell fehlen hier zwar die Ressourcen, doch wer weiss, was kommt. Dies wäre eine super Sache.

Jetzt über Chancen zu reden finde ich sehr schwierig, da ich auf der einen Seite weiss, dass ich bleiben kann und auf der anderen Seite sehe, dass so viele Mitarbeitende gehen müssen. Leid und Freude liegen nahe beieinander. Falls unser Bereich grösser wird, ergibt sich vielleicht auch eine Chance für mich. Es könnte noch mehr spannende Aufgaben geben, die ich angehen könnte.

 

Das letzte Jahr war geprägt von vielen Umbrüchen:

Wie haben Sie 2015 in Ihrer Arbeit bei Caritas Luzern erlebt?

Anfang April bin ich bei Caritas Luzern gestartet. Kurz darauf wurde den Mitarbeitenden mitgeteilt, dass der Asylauftrag ab 2016 beim Kanton sein wird. Ich fühlte mich schlecht. Während ich als neue Mitarbeiterin beginne, erfahren andere gerade, dass ihre Zeit bei Caritas endet. Gleichzeitig war im ganzen Haus eine seltsame Stimmung. Ich war in einem inneren Zwiespalt. Einerseits ging mir das ganze sehr nahe und andererseits freute ich mich auf meine neue Tätigkeit. Für mich wusste ich, es geht weiter.

Von September bis Dezember hatten wir in der Freiwilligenarbeit viel zu tun , es gab einen regelrechten Boom. Es war zwar eine anstrengende Zeit, doch die Beschäftigung half mir, mich abzulenken. In dieser Zeit war es schwierig, daheim abzuschalten. Auch in der Freizeit beschäftigten mich die aktuellen Arbeitsthemen. Zum Glück konnte ich daheim offen darüber sprechen. Dass die Themen in meinem Freundschaftskreis andere waren, half mir abzuschalten.

 

Wie sind Sie damit umgegangen? Was hat Sie in dieser schwierigen Zeit gestärkt?

Der Austausch untereinander hat mir sehr geholfen. Auch dass uns die Geschäftsleitung immer auf dem Laufenden hielt, war toll. Ich wusste, dass etwas im Hintergrund läuft und ich sobald wie möglich wieder auf den aktuellen Stand gebracht werde. Ich hatte das Gefühl, dass wir alle an einem Strang zogen. Ich wusste, dass sie schwierige Entscheidungen zu treffen hatte und immer auch versuchte dies mit Blick auf unser Wohlgefühl zu tun. Sie wollte für die ganze Caritas nur Gutes und nichts Schlechtes. Das hat mir geholfen positiv zu denken. Ich bin mir sicher, dass aus all dem Schlechten etwas Gutes entstehen wird. Es ist ein Miteinander und kein Gegeneinander. In den Teamsitzungen hatten wir Raum, um über Belastendes zu sprechen. Wir schauten zueinander und sprachen es an, wenn wir merkten, dass es jemandem nicht so gut geht. Darüber war ich sehr froh.

Als Mitte Dezember die Information über den Ausgang des Flüchtlingsvertrags stattfand, war ich in den Ferien. Mein Vater, der auch bei der Caritas Luzern arbeitet, hat mich darauf aufmerksam gemacht. Als ich es hörte, wurde ich traurig. Es war unfassbar. Ich habe nicht damit gerechnet und war geschockt. Es war einfach wieder unschlagbar. Ich kam aus den Ferien zurück, und es war mal wieder eine ganz andere Ausgangslage. Die Stimmung im Haus war gedrückt.

Hier bei der Caritas wird einem nie langweilig. Es passiert immer wieder irgendetwas – es ist ein stetes Auf und Ab. In meinem ersten Arbeitsjahr ist soviel geschehen, das wird wohl auch nicht an jedem Arbeitsort so sein.

 

Was waren trotzdem Highlights?

An meinem ersten Arbeitstag, gerade einen Tag nach meinem Geburtstag, erhielt ich einen wunderschönen Blumenstrauss, Schokolade und eine liebe Karte. Das war mein erstes Caritas-Highlight. Weitere Highlights sind die all die vielfältigen Mitarbeitenden und dass mir an der Arbeit nie langweilig ist. Jeder Tag ist anders. Auch das Personalfest war super. Nicht zu vergessen die Möglichkeit im Sommer in der Ufschötti gemeinsam Zmittag zu essen. Auch das Grossraumbüro gefällt mir – wenn ich mal alleine bin, dann fühle ich mich fast ein bisschen einsam.

 

Blick in die Zukunft:

Wie sieht die Caritas Luzern in ein, zwei Jahren aus? Wie sieht Ihre Arbeit aus, hier oder anderswo?

Caritas Luzern wird noch die selbe Grösse haben, wie nach dem erfolgten Abbau durch die Übergabe des Flüchtlingsvertrags. Doch sie schmiedet ganz viele Pläne und verfolgt diese, damit sie wieder gross wird. Dies braucht eben Zeit. Natürlich wird es eine neue Struktur geben und Caritas Luzern wird sich wieder ganz anders darstellen. Sicherlich wird sie sich auch anderweitig fokussieren. Und die Freiwilligenarbeit wird neu aufgestellt sein. Auch die Begleitung in der letzten Lebensphase wird ausgeweitet. Alles wird anders sein. Ich bin mir sicher, dass Caritas Luzern in ein paar Jahren wieder eine Aufgabe im Asyl- und Flüchtlingsbereich hat. Dies nicht weil sie diese gesucht hat, sondern weil es von aussen an sie herangetragen wird. Allein in diesem ersten Jahr habe ich gemerkt, wie schnell und gewaltig sich so eine Organsiation verändern kann, daher freue ich mich bereits in 2 Jahren meine heutigen Vorstellungen zu lesen und zu vergleichen.

 

Was wünschen Sie der Caritas Luzern, was wünscht Sie Ihnen?

Ich wünsche der Caritas Luzern, dass sie sich nie entmutigen lässt. Sie soll immer an einem Strang ziehen,nach Vorne blicken und nie vergessen was für eine tolle Arbeit geleistet wird.

Mit einem Augenzwinkern würde ich jetzt sagen, mehr Lohn. Doch Spass beiseite, sie würde mir wünschen, dass ich immer Freude an meiner Tätigkeit habe.

 

Mehr zur Sozialen Integration

Seite Drucken