Jahresbericht 2015

«Chancen verbessern durch individuelle Förderung»

Lisbeth Windler ist Leiterin Bildung und Beratung für Stellensuchende und seit drei Jahren bei der Caritas Luzern.

 

Das letzte Jahr war von vielen Umbrüchen geprägt. Wie haben Sie das 2015 in Ihrem Bereich erlebt?
Der Wegfall des Asylauftrags hatte für die Abteilung Bildung und Beratung für Stellensuchende im Alltag nur wenige Auswirkungen. Unsere Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind nicht Asylsuchende, sondern Stellensuchende und werden hauptsächlich vom RAV zugewiesen. Auch räumlich sind wir hier in der Grossmatte in Luzern-Littau an einem anderen Standort und entsprechend weniger nahe am Geschehen bei der Brünigstrasse. Aber natürlich haben uns die Umbrüche und deren Auswirkungen auf die Caritas als Institution beschäftigt. Im Bereich Bildung und Beratung für Stellensuchende hat uns eine andere Änderung konkret gefordert. Das Projekt «Wegweiser» richtete sich jeweils an bis zu 14 Stellensuchende und hat den Teilnehmenden nebst vier Wochen Bildung und intensivem Einzelcoaching ein Anschlusspraktikum geboten. Bei der Submission, die alle fünf Jahre stattfindet, hat das Projekt den Zuschlag leider nicht mehr bekommen und musste nach fünf Jahren per Ende 2015 beendet werden. Das war für uns keine leichte Aufgabe und hatte auch Konsequenzen für unsere Mitarbeitenden. Betroffen waren drei Personen, für die wir zum Glück gute Anschlusslösungen gefunden haben.

 

Was ist 2015 gut gelaufen und welches waren die Herausforderungen?
Im Programm «Intervall» hatten wir im letzten Jahr viele Anmeldungen. Auch hier werden die Teilnehmenden vom RAV zugewiesen. Während einem halben Jahr werden die Teilnehmenden intensiv begleitet und individuell gecoacht. Das geht von der Zusammenstellung des Bewerbungsdossiers, über das Üben von Vorstellungsgesprächen bis hin zur Situationsanalyse bezüglich der persönlichen Situation im Hinblick auf den Arbeitsmarkt. Viele, die bei «Intervall» dabei sind, sind schon länger auf Stellensuche und es ist für sie nicht einfach, motiviert und selbstbewusst zu bleiben. Hier versuchen wir anzusetzen und die Teilnehmenden ganzheitlich zu stärken. Ein wichtiger Teil ist es, den Teilnehmenden Mut zu machen und das fordert auch uns: Der Stellenmarkt ist tatsächlich sehr schwierig für unqualifizierte Arbeitnehmende und hier positiv und zuversichtlich zu sein, fällt einem nicht immer einfach. Persönlich fände ich es gut, wenn vermehrt eine grundsätzliche Diskussion in der Gesellschaft über die Integration älterer und weniger qualifizierter Arbeitnehmende stattfinden würde.

 

«Fokussierung ist eine Chance». Was bedeutet für Sie diese Aussage und wo sehen Sie in Ihrem Bereich Fokussierungsmöglichkeiten?
Für mich stehen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit ihren Zielsetzungen im Fokus. Sie sollen von unseren Angeboten im Bildungs- und Beschäftigungsbereich bestmöglich profitieren und einen persönlichen Mehrwert generieren, um ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu vergrössern. Damit das gelingt braucht es eine gute Zusammenarbeit der verschiedenen Bereiche. Der Fokus muss auf der konsequenten individuellen Förderung der Teilnehmenden liegen, da gäbe es meines Erachtens noch Verbesserungspotential.

 

Wie schauen Sie in die Zukunft bezüglich Ihrer Arbeit und der Caritas allgemein?
Die Herausforderungen im aktuellen Arbeitsmarkt werden bestimmt nicht kleiner und das wird auch für die Projekte und Strategien der Caritas wesentlich bleiben. Bei meiner Arbeit fällt mir insbesondere auf, dass ältere Stellensuchende zunehmend Schwierigkeiten haben, den Einstieg wieder zu finden. Das Umfeld und die Anforderungen ändern sich kontinuierlich. Gerade bezüglich Digitalisierung und den damit erforderlichen Kenntnissen im Computer- und Kommunikationsbereich können viele ältere Leute nicht mehr mithalten. Diese Anforderungen können nicht einfach so schnell in einem Kurs gelernt werden, das ist eine viel umfassendere Änderung. Zum einen muss bei den Teilnehmenden die Bereitschaft wachsen, sich diesen Herausforderungen im heutigen Arbeitsmarkt zu stellen, zum anderen braucht es reelle Einstiegsmöglichkeiten auf dem Arbeitsmarkt. Dass ältere Stellensuchende nicht zwischen Stuhl und Bank fallen, wird auch in Zukunft eine grosse Herausforderung sein.

 

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