Jahresbericht 2014

Rita Ueberschlag

Freiwilligenarbeit

Rita Ueberschlag ist seit fast zehn Jahren Koordinatorin der Freiwilligenarbeit. Freiwillige Mitarbeitende sind bei der Caritas Luzern in ganz verschiedenen Tätigkeitsfeldern aktiv: Sie unterstützen Migrantinnen und Migranten im Alltag, lernen mit ihnen Deutsch oder kümmern sich in einem der verschiedenen Projekte der Caritas Luzern um sozial benachteiligte Menschen. Rita Ueberschlag ist dafür verantwortlich, für die jeweiligen Abteilungen und Projekte Freiwillige zu suchen, zu finden und diese fachlich zu begleiten.

Nähe und Distanz zeigen sich in ihrer Arbeit in ganz unterschiedlichen Facetten. Bei einem Freiwilligeneinsatz spielt die geografische Nähe eine wichtige Rolle. «Ein Treffen zur Deutschunterstützung dauert in der Regel zwei Stunden. Da macht es Sinn, wenn die Freiwilligen nahe beim Einsatzort wohnen. Zurzeit ist es ziemlich schwierig, auf der Landschaft Freiwillige zu finden, obwohl wir da viele Einsatzmöglichkeiten hätten.» Nähe zeigt sich auch in Bezug auf die Beziehung zwischen den Freiwilligen und den Menschen, die sie begleiten. «Die Freiwilligen sind den Personen oft näher als die Sozialarbeitenden. Es kommt immer wieder vor, dass aus einem Freiwilligeneinsatz eine Freundschaft entsteht. Das freut mich dann natürlich. Als Caritas Luzern ziehen wir uns dann zurück.» Für die Freiwilligen ist es aber auch wichtig, sich abzugrenzen und die nötige Distanz zu wahren. Denn Freiwillige werden bei ihren Einsätzen manchmal mit schwierigen Schicksalen konfrontiert, was auch für Rita Ueberschlag eine Herausforderung ist. «Solche Schicksale gehen auch mir nahe, und ich schaffe es nicht immer gleich gut, den nötigen Abstand zu wahren.»

 

«Die Freiwilligen sind den Personen oft näher als die Sozialarbeitenden. Es ist schon vorgekommen, dass aus einem Freiwilligeneinsatz eine Freundschaft entstanden ist. Das freut mich dann natürlich.»

 

Bei ihrer täglichen Arbeit erlebt die Koordinatorin der Freiwilligenarbeit viel Nähe. Zum einen zeigt sich dies in der internen Zusammenarbeit, da sie Ansprechperson für die Sozialarbeitenden, welche Freiwillige brauchen, ist. «Es ist wichtig, dass ich die Anliegen der Sozialarbeitenden ernst nehme. Und dafür braucht es eine gewisse Nähe. Nur so können wir herausfinden, wer zu welchem Einsatz passt». Hier wünscht sich Rita Ueberschlag manchmal noch mehr Nähe. «Es wäre schön, wenn die Sozialarbeitenden und ich mehr Zeit hätten für den Austausch.»

Wenn sich eine Person für einen Freiwilligeneinsatz bei der Caritas Luzern interessiert, führt die Koordinatorin ein «Eintrittsgespräch». «Bei diesen Gesprächen ist es nicht einfach, das richtige Mass an Nähe und Distanz zu finden. Ich muss versuchen, die Person kennen zu lernen, um herauszufinden, welcher Einsatz passen könnte. Dafür braucht es Nähe. Manchmal breiten die Freiwilligen aber ihr halbes Leben aus. Da muss ich dann auch Grenzen setzen und versuchen, das Gespräch auf das Wesentliche zu lenken.» Als Koordinatorin braucht es zudem viel Weitsicht: «Meine Arbeit ist manchmal wie eine Landschaft mit einer besonnten Wiese mit verschiedenen Blumen, verschiedenen Tälern, die sich auch verengen können, und Abgründen, die sich auftun können. Nur aus der Distanz sehe ich die Weite und kann den Überblick behalten.»

Wenn Rita Ueberschlag von ihrer Arbeit erzählt, spürt man die Nähe zu ihrem Beruf und ihr Engagement. «Mir macht meine Arbeit grosse Freude und ich bin mit Leib und Seele dabei. Zudem tut es mir leid, wenn gute Leute gehen, wenn ihr Einsatz beendet ist.» Gerade weil sie ihrer Arbeit so nahe ist, trennt sie Privates und Berufliches strikt. «Wenn sich Bekannte von mir für einen Einsatz interessieren, dann gehe ich bewusst auf Distanz. Ich möchte Privates und Berufliches nicht vermischen.» Abgrenzen muss sie sich auch, wenn sie jemandem absagen muss, weil die Person nicht für einen Freiwilligeneinsatz in Frage kommt. «Ich musste auch schon einen Einsatz auflösen, weil es zwischen der Freiwilligen und der begleiteten Person nicht mehr gepasst hat. Das fällt mir dann nicht leicht, und ich muss versuchen, mich zu distanzieren.»

 

«Das sind oft sehr spannende Zusammenarbeiten. Da wünsche ich mir teilweise mehr Nähe, um mehr über die gemeinsam gemachten Erfahrungen und Entwicklungen zu hören. Leider reicht dafür die Zeit nicht.»

 

So wie sich die Koordinatorin manchmal mehr Nähe wünscht, besteht der Bedarf auch bei den Freiwilligen. Zwar finden Erfahrungsaustauschtreffen, Weiterbildungen und einmal jährlich auch ein Dankesfest für die Freiwilligen statt, trotzdem wünschen sich einige Freiwillige mehr Austausch. «Die Freiwilligen fühlen sich mit ihren Erfahrungen hin und wieder ein wenig alleine. Einige wünschten sich monatlich ein Treffen mit anderen Freiwilligen, so eine Art runden Tisch.» Auch Rita Ueberschlag würde mehr Nähe zu den Freiwilligen begrüssen. «Das sind oft sehr spannende Zusammenarbeiten. Da wünsche ich mir teilweise mehr Nähe, um mehr über die gemeinsam gemachten Erfahrungen und Entwicklungen zu hören. Leider reicht dafür die Zeit nicht.»

 

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